Kaukasus 2014 - My long way

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In 23 Tagen und
über 11.600 km von Klipphausen über Tschechien, Slowakai, Ungarn, Serbien, Bulgarien, Griechenland, Türkei nach Georgien in den Kaukasus und zurück über die Türkei, Griechenland, Italien, Slowenien und  Österreich.

13. Mai 2014 - Reisebeginn, von Klipphausen nach Szeged/Ungarn, 840 km
Gegen halb acht war es dann endlich so weit. Alles war auf dem Motorrad verstaut. Recht schwer war mein Tiger mit den zusätzlichen Heidenau-K60 Scout-Reifen, welche ich unterwegs gegen die angefahrenen Michelin Anakee tauschen wollte. Für die heute geplante Strecke bis in den Süden Ungarns waren die Wetterprognosen nicht besonders gut. Ich wollte ausschliesslich auf der Autobahn über Tschechien und die Slowakai bei Bratislava nach Ungarn und dann über Budapest bis nach Szeged. So kam es dann auch, dass ich ab der deutsch-tschechischen Grenze für ca. 600 km im Dauerregen fuhr. Dieser lies erst in der Budapester Gegend nach. So fand ich nach ca. 830 km in Kiskunmajsa den Campingplatz Jonathermal und bekam für ca. 14,00 € einen Bungalow für die Nacht. Ich war dann noch schnell in einem nahegelegenen Restaurant essen und kurz darauf lag ich im Bett.


14. Mai 2014 – von Kiskunmajsa (Ungarn) nach Sofia (Bulgarien), 638 km
Ich hatte recht angenehm in dem spärlich ausgestatteten Bungalow geruht und bin nach Dusche und Kaffee gegen acht Uhr Richtung Süden gestartet. Bereits nach wenigen Kilometern durch das ungarische Flachland setzte der Regen wieder ein und sollte mich bis zu meinem Ziel begleiten. Ich fuhr also den ganzen Tag in Regenkombi durch Ungarn, weiter in Serbien über Novi Sad, Belgrad und Nis und blieb bei diesem Wetter fast ausschließlich auf der Autobahn. Ab Nis ging es dann auf einer stark befahrenen Straße 43 bei Gradinje über die Grenze nach Bulgarien. Zumindest hatte der Regen nun etwas an Intensität verloren. Ich fuhr noch bis gegen 20.00 Uhr durch die Rushhour von Sofia und suchte mir am südlichen Stadtrand von Sofia ein Hotel, da an Zelten bei diesem Wetter nicht zu denken war.

15. Mai 2014 - von Sofia (Bulgarien) nach Rizia (Griechenland), 430 km
Heute wollte ich die Türkei erreichen, es sollte aber anders kommen. Ich fuhr nach dem ordentlichen Frühstück gegen 08.00 Uhr los. Ich wollte als Erstes an einen Ort zurückkehren, vor dem ich vor mehr als 25 Jahren bereits Urlaub gemacht hatte. 1988 war ich mit meiner damaligen Frau auf einem 3-wöchigen Wandertrip durch das Rila-Gebirge unterwegs. Wir hatten zu dieser Zeit auch für 2 Nächte am Iskar-Stausee nahe Sofia gezeltet. Um es kurz zu machen: Man sollte unterlassen an Orte, welche man ich grandioser Erinnerung in sich trägt, noch einmal aufzusuchen. In dem vergangenen viertel Jahrhundert hat sich das Erscheinungsbild dieser Orte zum extrem Negativen verändert. Am Rande des Rila-Gebirges bin ich dann über Borovez gen Osten gefahren, an Plovdiv vorbei, um bei Svilengrad die bulgarisch-griechische Grenze zu passieren. An dieser wurde ich von Antonios (Toni), einem älteren Griechen angesprochen, der mich zu sich unweit hinter der Grenze zu einem Kaffee einlud. Aus Kaffee wurde schnell Bier und so wurde es Abend. Toni bot mir ein Zimmer in seinem Haus an und so entschied ich, über Nacht zu bleiben. Es kamen noch mehrere Freunde dazu, die alle recht gut deutsch sprachen. Ich habe die gelebte griechische Gastfreundschaft am eigenen Leib spüren können.


16. Mai 2014 – von Rizia (Griechenland) nach Bigadic (Türkei), 490 km
Nachdem ich mit Toni auf seiner Terasse noch einen Kaffee getrunken hatte, bin ich dann gegen 08.30 aufgebrochen. Ich wollte auf meiner Route noch bei Christos, einem Freund von Toni in Orestiada vorbeischauen, da er dort ein kleines Cafe betreibt. Gegen 11.00 Uhr bin ich dort weiter Richtung Süden gefahren, um bei Ipsala in die Türkei einzureisen. Nach 2 Kontrollpunkten auf der griechischen und 5 auf der türkischen Seite hatte ich nach ca. 30 Minuten den Grenzübertritt geschafft. Ich durfte beim türkischen Zoll alle Koffer öffnen, was das Abschnallen der Reifen voraussetzte. Hurra! Nachdem das geschafft war, ging es weiter über Kesan nach Eceabat, wo ich mit der Fähre nach Asien übersetzte. Die Überfahrt dauerte ca. 30 Minuten und kostete inklusive Motorrad 10 TL (ca. 3 €). Bei 25°C ging es von da aus
unspektakulär weiter süd-östlich. Ich suchte mir schließlich in Bigadic, einer kleinen Stadt mit ca. 20.000 Einwohner ein Hotel für 12 € inkl. Frühstück. Ich saß am Abend noch mit einigen einheimischen Jungs zusammen. Einer spendierte mir sogar eine Stadtrundfahrt in seinem 20 Jahre alten Fiat. Es war sehr nett an diesem Abend.

17. Mai 2014 - von Bigadic (Türkei) nach Aksu (Türkei), 510 km

Nach einem anständigen Frühstück wollte ich als Erstes meine Straßenreifen loswerden, um den Satz Reifen K60 Scout von Heidenau montieren zu lassen. Dies war in einer kleinen Werkstatt unweit vom Hotel in gut 2 Stunden erledigt. Räder ausbauen, alte Reifen aus dem Felgenbett drücken, neue Schläuche und Reifen aufziehen und Räder wieder einbauen. Fehlt da noch etwas? Achja. Auswuchten. Wozu? Die Triumph fuhr sich auf der ganzen Reise selbst bei schnellen Autobahnetappen perfekt auch ohne gewuchteten Rädern. Das Ganze kostete mich 10 € und hat super funktioniert. Zumal immer mehr Interessierte vorbei kamen und viele Fragen stellten, wobei die Verständigung fast ausschließlich mit Handzeichen vonstatten ging. Gegen 11.00 Uhr war es dann soweit und ich fuhr weiter süd-östlich über Simav und Usak zum Egirdir See, wo ich nun auch endlich zelten wollte. Leider öffnete dieser Campground erst am 1. Juni, ich war also zu früh. Nachdem ich einen freien Platz am See fand, merkte ich schnell, dass es dort wegen der unzähligen Mücken nicht auszuhalten war. So beschloss ich, erst einmal weiter zu fahren. In dem kleinen Ort Aksu fand ich dann nach Einbruch der Dunkelheit unter Mithilfe zweier Jungs eine kleine Pension, deren Qualität und Sauberkeit zu wünschen übrig lies. An diesem Abend lernte ich auch noch Mario kennen, ein Deutscher, der seit fast 20 Jahren dort lebt. Es wurde ein feucht-fröhlicher Abend, was das Einschlafen in der Pension leichter machte.

18. Mai 2014 – von Aksu (Türkei) nach Atakent (Türkei), 485 km
Sehr zeitig am Morgen bin ich heute Richtung Mittelmeerküste aufgebrochen, da ich eine zeitintensive und anstrengende Etappe vor mir hatte. Von Aksu aus fuhr ich vorbei am Beysehir See über Seydisehir, Hadim und Ermenek durch die wünderschönen Ausläufer des Taurus-Gebirges, um bei Silifke ans Mittelmeer zu gelangen. Hier war ich endlich angekommen im Massentourismus. Ich folgte noch der schnurgeraden Küstenstraße D-400  in östlicher Richtung. Dabei machten die fast 30°C das Fahren durch die extrem stark frequentierten Städte mit ihren Hotelburgen nicht angenehmer. Vergeblich war auch hier die Suche nach einem offiziellen Campingplatz. Nur die für Jederman zugänglichen Atatürk-Parks, auf welchen man auch Zelten darf, fand man in jeder größeren Stadt. Leider gibt es in diesen Parks keinerlei sanitäre Einrichtungen, nicht einmal Toiletten. Als schließlich die Dämmerung einsetzte, suchte ich mir in Atakent ein Zimmer in einer Bettenburg. Das Motorrad stand sicher hinter dem Hotel und ich konnte eine türkische Hochzeit, welche im Innenhof des Hotels bis gegen 23.30 Uhr gefeiert wurde, vom Innengang der 3. Etage bestaunen. Ordentlich Feiern und Tanzen können die Türken. Das sehr saubere Zimmer selbst kostete mich 18 € inklusive Frühstück.

19. Mai 2014 – von Atakent (Türkei) nach Uchisar (Türkei), 395 km
Nach einem reichhaltigen Frühstück bin ich kurz nach acht Uhr bei noch angenehmen Temperaturen wieder einmal gestartet. Mein Ziel war für heute das wunderschöne Kapadokien mit seiner bizarren Landschaft. Ich wollte heute abseits der stark befahrenen Straßen bleiben und habe auf meinem Navi selbst Bundesstraßen in der Routenberechnung ausgeschlossen. So ging es vorbei an Tarsus, Pozanti und Derinkuyu hinein in eine fantastische Welt mit Kleckerburgen aus Tufstein. Das auch Kapadokien und insbesondere Städte wie Ürgrüp, Mustafapasa, Göröme und Uchisar zu Plätzen von touristischen Menschenansammlungen aus der ganzen Welt zählt, war mir vorher schon bewusst. Ich hätte jedoch diese Eindrücke nicht in meinen Erinnerungen missen wollen. Nachdem ich mir heute viel Zeit genommen hatte, immer mal wieder anzuhalten und zu genießen, suchte ich mir gegen 16.00 Uhr in Uchisar eine kleine nette Pension mit Restaurant. Nachdem ich geduscht hatte, machte ich mich noch auf, das Uchisar Castle zu besichtigen. Ich erreichte dies nach einem 15-minütigen Fussmarsch und war um diese Uhrzeit (17.00 Uhr) fast allein auf der Plattform, von der aus man einen spektakulären Rundumblick auf die gesamte Region hat. Nun kam bedingt durch die zum Abend flach stehende Sonne mit ihren resultierenden Schattenwürfen diese außergewöhnliche Landschaft erst richtig zu Geltung. Nach einem abschließenden Spaziergang durch das Städtchen aß ich noch im Restaurant meiner Pension ein leckeres türkisches Kebab.

20. Mai 2014 – von Uchisar (Türkei) nach Elaziğ (Türkei), 570 km
Da in der Region um Uchisar am frühen Morgen unzählige Heisluft-Ballone am Himmel aufsteigen (man spricht von mehr als 100), um Touristen den Anblick auf diese unbeschreiblich schöne Landschaft bei Sonnenaufgang zu ermöglichen, wollte auch ich mir dieses Spektakel nicht entgehen lassen. Dass ich jedoch 05.30 Uhr trotzdem schon ein wenig zu spät dran war, konnte ich dabei nicht ahnen. Jedenfalls sah ich über dem Tal vielleicht noch etwa 25 Ballone, welche gerade einer nach dem anderen zum Landen ansetzten. Da ich um diese Zeit noch kein Frühstück mochte, startete ich gegen 06.30 Uhr bereits meine nächste geplante Etappe an die inoffizielle Grenze zur überwiegend kurdisch bevölkerten Region der Türkei - Malatya. Dabei ging es durch das weitläufige Hochland Zentralanatoliens. Ich bewegte mich hier fast durchweg auf einer Höhe von über 1.500 Meter über dem Meeresspiegel. Als ich Malatya gegen 18.00 Uhr erreichte und keine geeignete Unterkunft finden konnte, beschloss ich noch weiter Richtung Osten zu fahren. Dies sollte sich als Fehler herausstellen, da es kurz hinter Malatya in höhere Regionen ging und auf den nächsten 120 km nur noch kleinere Dörfer kommen sollten. Ein Zelten im Freien schloss sich aufgrund der zahlreichen freilaufenden Hirtenhunden, den Kangals aus. Diese sind nachts im Rudel auf Nahrungssuche unterwegs und kommen sogar bis in die Städte hinein´. Einheimische haben mich immer wieder vor ihnen gewarnt. So blieb mir nichts anderes übrig als weiter zu fahren bis Elaziğ, einer Zwei-Millionen-Stadt. Als ich dort ankam, war es bereits dunkel. Ich irrte mit meinem schwer beladenen Motorrad eine halbe Stunde durch die engen Gassen der von Menschen überfüllten Stadt, bevor ich ein sehr teures Tagungshotel etwas außerhalb fand. 5 Sterne - 65 € die Nacht mit Frühstück.

21. Mai 2014 – von Elaziğ (Türkei) nach Ahlat am Van-See (Türkei), 380 km
Bei dem heutigen Frühstück gab es wirklich von allem nur das Beste. Ich hatte bestimmt 3 Gänge, bevor ich mich losreisen konnte. Da ich in meinem "Zeitplan" etwas hinterher war, beschloss ich, den geplanten Verlauf meiner Route über Diyarbakir, Hasankeyf und Siirt abzuändern. Bedingt auch durch die Warnungen von Einheimischen, allein nicht in diese Gegenden zu reisen. So fuhr ich v
on Elaziğ weiter in der Hochebene gen Osten über Bingöl Richtung Van-See.  Dieser ist 7 mal größer als der Bodensee und hat keinen Zu- bzw. Ablauf. Es soll nur eine einzige Fischart, ein Karpfen, in dem See geben. Ich fuhr am nördlichen Ufer noch ca. 30 km bis Ahlat, wo ich in einem Hotel aus den 70er Jahren ein Zimmer mit Blick auf den See fand. Im Hotel traf ich auch Christine und Jürgen aus der Nähe von Chemnitz, beide über 60 Jahre alt und als Backpacker unterwegs. Wir saßen noch lange zusammen und tauschten Geschichten aus.

22. Mai 2014 – von Ahlat am Van-See (Türkei) nach Dogubayazit (Türkei), 335 km
Ich hatte mir für heute fest vorgenommen, nochmal die 36 km zurück nach Tatvan zu fahren, um von dort aus auf den Nemrut-Krater mit seinem Kratersee auf ca. 2.900 Meter Höhe ü.n.N. zu erreichen. Von Tatvan aus ging es auf losem Schotter immer höher. Leider wurde mit jedem Höhenmeter auch der Nebel dichter, der Regen stärker und die Temperatur kälter. Oben angekommen hatte ich keinerlei Sicht auf den Kratersee. Ich fuhr also völlig enttäuscht und durchgefrohren auf einer anderen Offroad-Route wieder hinunter zum Van-See. Ich war da oben auch der Einzigste. So machte ich mich auf den Weg Richtung iranische Grenze, fuhr am nördlichen Ufer des Van-Sees bis Karahan, um von da aus auf der D-975 Dogubayazit zu erreichen. Das Wetter beruhigte sich. Als ich in Dogubayazit mein Hotelzimmer mit Blick auf den Ararat bezogen hatte, klopfte es an der Tür. Davor stand Toni, der mir meine Kamera, welche ich auf dem Motorrad hatte liegen lassen, reichte. Wir verabredeten uns zum Abendessen und saßen an diesem Abend noch lange bei einigen Bieren zusammen. Toni war ebenfalls Alleinreisender mit einer 1150er GS und wollte am nächsten Tag weiter in den Iran.

23. Mai 2014 – von Dogubayazit (Türkei) nach Ardahan (Türkei), 341 km
Toni hat sich kurzerhand entschlossen, mit mir noch den geplanten Abstecher zum Ishakpasa Palast in der Nähe von Dogubayazit zu fahren, bevor er weiter in den Iran reisen wollte. So fuhren wir morgens vom Hotel aus gegen 10.30 Uhr gemeinsam dorthin. Danach trennten sich unsere Wege und ich fuhr anschließend weiter in Richtung Norden mit Blick auf den Berg Ararat in Ostanatolien nahe der Grenze zu Armenien und dem Iran. Er ist mit 5.137 Metern über dem Meeresspiegel der höchste Berg auf dem Gebiet der Türkei. Durch die schlechten Straßen und Offroadfahrten hatte sich meine Hinterradabdeckung losgerüttelt, welche ich nach wenigen Kilometern im Straßengraben versenkte. Was nicht hält, taugt auch nix. Meine Reise führte mich weiter über Iggdir und Kars, vorbei am Gildir Gölü mit einer Größe von 20 km bis nach Ardahan, wo ich mir ein kleines Hotel suchte. Abends lud mich noch der Nachtportier ein, mit ihm sein Essen zu teilen. Haji ist Student und wollte unbedingt von mir Näheres über meine Reise erfahren. Gegen 23.00 Uhr lag ich im Bett.

24. Mai 2014 – von Ardahan (Türkei) nach Mtskheta (Georgien), 401 km
Nach dem obligatorischen Frühstück machte ich mich auf, um heute nach Georgien einzureisen. Ich fuhr wiederum weiter nördlich über den Posof-Pass. Das Navi zeigte eine Höhe von 2.650 Meter an. Die Temperaturen hielten sich dabei mit 13°C im erträglichen Bereich. Von Regen blieb ich auch am heutigen Tag verschont. Ich fuhr auf der D-955 Richtung Türkgözu an der türkisch-georgischen Grenze. Während die Türken meine Ausreise gelassen nahmen, hielten sich die obercoolen Georgier für sehr wichtig. Kurz hinter der Grenze besorgte ich mir in Akhaltsikhe an einem Bankautomat mein erstes georgisches Geld, da ich dieses nicht in Deutschland vorab hatte tauschen können. Das getankte Benzin war nun auch von minderer Qualität, was ich am Rasseln des Motors in unteren Drehzahlen spürte. Über Ninotsminda, Paravani und Tsalka ging es auf der Sh31 weiter. Die Landschaft war hier nicht wirklich sehr ansprechend. Kurz hinter Tsalka standen 3 Motorräder mit deutschen Kennzeichen am Straßenrand. Ich hielt an und stellte mich Helga, Wolfgang und Erwin vor. Die 3 wollten weiter bis in die Mongolei (Reisebericht findet Ihr hier). Nach kurzem Plausch entschieden sie, sich mir anzuschließen und mit zu der von mir angesteuerten Pension in Mtskheta zu fahren. Der Versuch, Tiblissi auf Offroadstrecken zu umfahren, wurde nach 2 km im Schlamm und 2 Stürzen von Helga abgebrochen. So fuhren wir zurück auf die Straße und mussten durch das Verkehrschaos der georgischen Hauptstadt. Nachdem wir die Zimmer in der Pension bezogen hatten, gingen Wolfgang, Erwin und ich noch in ein Restaurant zum Essen. Helga hatte wohl genug von dem Tag.

25. Mai 2014 – von Mtskheta (Georgien) auf der georgischen Heeresstraße nach Stepantsminda und zurück, 297 km

Helga, Wolfgang und Erwin wollten sich heute Tiblissi anschauen, ich hingegen wollte den Wendepunkt meiner Reise erreichen. So fuhr ich gegen 11.00 Uhr los Richtung russische Grenze. Diese georgische Heeresstraße Sh3 ist ein Erlebnis für jeden Motorradfahrer. Leider meinte es das Wetter am heutigen Tage nicht so gut mit mir und ich durchfuhr so manchen Regenschauer. Gegen 15.30 Uhr erreichte ich mein Ziel Stepantsminda. Eine Weiterfahrt der letzten 6 Kilometer bis an die eigentliche Grenze war wegen Steinschlags nicht möglich, die Straße wurde von Polizisten abgesperrt. So schaute ich mich noch ein wenig im Ort um, fuhr die engen Gassen Richtung Gergetis Sameba (Gergetier Dreifaltigkeitskirche) empor, was sich auf dem groben Pflaster mit dem schweren Bike als äußerst schwierig zeigte.  Auf dem Rückweg zur Pension bog ich noch für einige Kilometer in das Sno-Tal ab, musste dann aber vor einen über die Berge kommenden heftigen Gewitter flüchten. Am Abend gingen Helga, Wolfgang, Erwin und ich nochmals gemeinsam ins Restaurant und hatten einen schönen Abend. Die 3 wollten morgen weiter nach Aserbaidschan, ich zurück in die Türkei.

26. Mai 2014 – von Mtskheta (Georgien) nach Derepazari (Türkei), 546 km
Ich hätte mich wahrscheinlich noch ein oder zwei Tage in den kaukasischen Bergen aufhalten können, entschied aber, jetzt den Heimweg anzutreten. Der Hintergrund dafür lag in meiner Empfindung, dass die Menschen hier in Georgien im direkten Vergleich zu den Griechen oder Türken nicht sehr freundlich, herzlich und auch nicht besonders neugierig waren. Ich hatte mehrfach versucht, auf die Menschen zuzugehen. Die fehlende Rücksicht im Straßenverkehr, die fehlende Gastfreundschaft oder das ständige Gefühl, nur mit Geld ein Wort aus einem Georgier heraus zu holen, hat mir diese Entscheidung leicht gemacht. So trat ich den Rückzug in die Türkei über Gori, Zestafoni, Poti und Batumi am Schwarzen Meer an, um bei Sarpi Georgien zu verlassen. Kurz zuvor wurde ich noch an einer georgischen Tankstelle um 10 € beim Wechselgeld geprellt. Danke dafür! Die Einreise in die Türkei selbst war unproblematisch und in 10 Minuten geschafft. Ich fuhr an diesem Tag noch bis Of, fand dort jedoch kein geeignetes Hotel. Da ich zuvor an einer schönen Pension kurz hinter Rize, dem türkischen Teeanbaugebiet, vorbei gekommen war, fuhr ich zurück und fand diese in Derepazari mit direktem Blick auf das Schwarze Meer. Ich bekam ein superschönes Zimmer und ein wohlschmeckendes Essen. Nur Bier gab es nun wieder nicht in der Türkei.

27. Mai 2014 – von Derepazari (Türkei) nach Yakakent (Türkei), 628 km
Nach dem wohlschmeckendem Frühstück im Hotel bin ich gegen 9 Uhr wieder aufs Motorrad gestiegen. Ich wollte heute ein wenig in die Berge fahren und bin in Of auf die D915 Richtung Süden gefahren. Ich habe für ca. 200 km grandiose Landschaften auf kleinen Straßen, teils Schotterpisten fahren können, bevor ich in Tirebolu wieder ans Schwarze mehr gestoßen bin. Von da an blieb ich über Ordu und Samsun auf der vierspurig ausgebauten D010 am Meer und fand in Yakakent kurz vor Einbruch der Dunkelheit ein kleines Hotel am Meer. Ich bin abends noch ein wenig an der schönen Strandpromenade entlang gelaufen und habe mir 2 Dosen Bier gekauft, um den Sonnenuntergang auf meinem Balkon mit Blick auf das Meer zu genießen.

28. Mai 2014 – von Yakakent (Türkei) nach Devrek (Türkei), 440 km
Heute wollte ich die Hälfte der Strecke bis zum Marmarameer schaffen. So fuhr ich gegen 7.30 Uhr bereits los und blieb die ersten Kilometer auf der Küstenstraße D010. Irgendwann juckte es mich doch und ich bog ab in Richtung Berge. Dieser kleine Abstecher kostete mich viel Zeit und Nerven, da ich mich total verfahren hatte und sich jede vom Navi vorgeschlagene Route zurück ans Meer wegen Sperrungen oder Unbefahrbarkeit als Sackgasse herausstellte. Bei Turkeli fand ich dann doch wieder auf die D010 zurück und blieb von da an vorerst an der Schwarzmeerküste. Dieser Abschnitt der D010 hatte es jedoch in sich. Sie war hier nicht mehr als vierspurige Schnellstraße ausgebaut sonder eine schmale und extrem kurvenreiche Etappe. Zum Glück kamen hier sehr wenige Autos, leider aber auch keine Tankstellen auf einem Stück von 110 km. So erreichte ich mit einer verbleibenden Reichweite von 7 km glücklich die Stadt Bartin, wo ich endlich tanken konnte. Ich fuhr noch bis Devrek in den Bergen, wo ich mir ein einfaches Zimmer in einer Studentenunterkunft nahm. Das große Interesse der jungen Studenten an meiner Person bescherte uns allen einen sehr lustigen Abend und mir viele Eindrücke über die politische Denkweise der jungen intelektuellen Türken.

29. Mai 2014 – von Devrek (Türkei) nach Kesan (Türkei), 688 km
Dieser Tag war als reiner Fahrtag gedacht, um schlussendlich per Fähre wieder Europa zu erreichen. So fuhr ich von Devrek aus noch ca. 80 km durch das Hinterland, um bei Alapli wieder an die Schwarzmeerküste zu gelangen. Von da an wurde die Weiterfahrt relativ unspektakulär. Der Verkehr nahm mit jedem Kilometer Richtung Westen zu. Ich fuhr schließlich über Düzce, Iznik, Yenisehir und Bursa bis zur Fähre nach Lapseki. Die Durchfahrt durch die Zweimillionenstadt Bursa selbst war trotz des extremen Verkehrs innerhalb von 20 Minuten geschafft und völlig unproblematisch. Ich setzte gegen 18.30 Uhr mit der Fähre über das Marmarameer nach Gelibolu über und fuhr noch ca. 60 km weiter bis Kesan. Dort suchte ich mir nach Einbruch der Dunkelheit mitten in der Innenstadt ein Hotel. Das Motorrad konnte ich im bewachten Innenhof abstellen. Nun hatte mich Europa zurück.

30. Mai 2014 – von Kesan (Türkei) nach Rizia (Griechenland), 138 km

Ich fuhr von Kesan aus gegen acht Uhr los und war nach einer halben Stunde bereits an der Grenze zu Griechenland. Dieser Grenzübertritt war erstaunlicher Weise binnen weniger Minuten erledigt. Ich wollte heute nochmal Antonios und Christos besuchen, die ich auf der Hinreise kennengelernt hatte. So kam ich gegen zehn Uhr am kleinen Cafe von Christos in Orestiada an, bekam ein ausgezeichnetes Frühstück und lies beim Suzuki-Kawasaki-Motorradhaus eines Freundes auf der gegenüberliegenden Straßenseite mein Motorrad zum Ölwechsel. Der Chef zeigte mir noch das ganze Objekt. Dieses war perfekt ausgestattet und extrem sauber. Christos fuhr mich anschließend zu Antonios nach Rizia. Gegen Nachmittag fuhr Antonios mit mir zurück nach Orestiada, um mein Bike abzuholen. Am Abend saß ich zusammen mit einigen Freunden bei Antonios in Rizia, bei dem ich wieder einmal ein Nachtquartier erhielt. Ich hatte für alle zusammen Fleisch, Gemüse und Bier gekauft, um von meiner Seite aus einmal etwas zu geben. Es war ein sehr schöner Abend mit Freunden.

31. Mai 2014 – von Rizia (Griechenland) nach Stagira-Akanthosi (Griechenland), 432 km
Nachdem wir gestern einen schönen Abend verbracht hatten, hieß es nun für mich, Abschied zu nehmen. Ich wollte heute ans griechische Mittelmeer Richtung Chalkidiki. Ich blieb bis kurz vor Kavala auf der Autobahn. Ab da fuhr ich jedoch bei sonnigen 25°C an der Küste entlang. Ich hatte einen Campingplatz auf meinem Plan, den ich gerne ansteuern wollte. Leider hatte dieser ein Problem mit der Wasserversorgung. Ich hätte zwar dort Zelten können, jedoch funktionierten weder Duschen noch Toiletten. Die Besitzerin empfahl mir, ca. 70 km weiter gen Süden zu dem relativ neuen Campingplatz in Ouranoupoli zu fahren. Da noch keine Saison war, war die Anfahrt auf den kleinen verwinkelten Straßen durch die fast gänzlich verlassenen Orte ein Genuß. Schließlich erreichte ich den Platz und hatte kurze Zeit später mein Zelt direkt am Meer aufgebaut. Es waren nur wenige Gäste auf dem Campingplatz. Ich aß noch eine Kleinigkeit im zugehörigen Restaurant und ging relativ früh schlafen.

01. Juni 2014 – von Stagira-Akanthosi (Griechenland) nach Igoumenitsa (Griechenland), 572 km
Wohin mich heute meine Reise führen sollte, stand bei Abfahrt noch nicht fest. Ich wollte die Weiterfahrt nach Albanien und zurück nach Hause abhängig von der Wetterlage auf dem Balkan machen. So fuhr ich durch das Hinterland der Halbinsel Chalkidiki und weiter über Thessaloniki nach Florina nahe der mazedonischen Grenze. Hier telefonierte ich mit meiner Frau, die mir über das Wetter für die nächsten Tage in Albanien und Montenegro nichts Gutes zu berichten hatte. "Ergiebige Regenfälle für das Gebiet" hieß es. So entschloss ich, den Heimweg von Igoumenitsa mit der Fähre nach Venedig anzutreten. Die Fahrt ab Florina durch das griechische Bergland entlang der albanischen Grenze sollte sich als Highlight herausstellen. Über Berge und durch Täler, Serpentinen rauf und runter durch einsame Dörfer ging es in Richtung Adria. Diese 250 km waren ein Gedicht und würden den Puls eines jeden Bikers höher schlagen lassen. Gegen 19.30 Uhr erreichte ich Igoumenitsa. Ich fand dann recht schnell ein Hotel. Zu Fuß machte ich mich auf, die Fährterminals nach Venedig zu finden, um ein Ticket zu lösen. Die nächste Fähre ging am Morgen um 7 Uhr und kostete mich inklusive Motorrad und 2-Mann-Kabine 224 €. Ich ging anschließend noch an der Uferpromenade in einem kleinen Restaurant essen, trank 2 Bier und lag gegen 23.00 Uhr im Bett meines Hotelzimmers.

02. - 03. Juni 2014 – von Igoumenitsa (Griechenland) nach Venedig (Italien), 950 km
Kurz nach 6 Uhr morgens stand ich bereits samt Motorrad am Fährterminal. Nach kurzer Zeit standen noch 3 weitere Motorradfarer zusammen mit mir am Anlegeplatz und warteten auf die sich verspätende Fähre. Aus geplanter Abfahrt um 7 Uhr wurde letztendlich 8.30 Uhr, als die Fähre endlich ablegte. Bei den 3 anderen Bikern handelte es sich um einen alleinreisenden, pensionierten Lehrer aus Wien sowie um Manfred aus Villach und Martin aus Klagenfurt. Der französiche Herr, welcher mit mir die Kabine hätte teilen müssen, empfand dies wohl nicht als angenehm und verlies kurzerhand unsere Unterkunft, um sich etwas anderes zu suchen. So bot ich dem Lehrer aus Wien an, mit mir die Kabine zu teilen. Warum er das Angebot nicht annahm und auf Deck schlafen wollte, ist Manfred, Martin und mir bis heute nicht klar. Nach dem Duschen an Bord und einem Schläfchen in der Kabine fanden wir uns gegen späten Nachmittag alle auf Deck ein und tranken so das ein oder andere Bier. Geschlafen habe ich erstaunlich gut auf Schiff. Gegen 10 Uhr am nächsten morgen liefen wir im neuen Fährhafen von Venedig ein, leider völlig abseits der schönen Stadt.

03. Juni 2014 – von Venedig (Italien) nach Villach (Österreich), 547 km
Manfred und Martin hatten mich gefragt, ob ich nicht mit Ihnen zusammen heimwärts über Slowenien nach Österreich fahren möchte. Dieses Angebot nahm ich zu gerne an, da wir uns bereits auf dem Schiff prächtig verstanden hatten. So lotzte uns Manfred, der sich hier gut auskannte aus dem Gewirr von Venedig auf die Autobahn A4 Richtung Palmanova und weiter nach Slowenien. Es ging weiter über Nova Gorica und das wunderschöne Soca-Tal entlang bis Bovec, wo wir von einem starken Gewitter überrascht wurden. Zeit genug, um anständig Mittag zu essen. So warteten wir ca. 2 Stunden bei Piza und Bier auf besseres Wetter. Kurz hinter Granska Gora trennte sich Martin von uns, um über Tarvisio weiter nach Hause zu fahren. Manfred hingegen hatte mich zu sich nach Hause zum Übernachten eingeladen, worüber ich mich sehr freute. So fuhr ich mit ihm nach Villach, wo er allein mit sensationellem Blick auf die Berge wohnt. Wir quatschten noch lange an diesem Abend, bevor es zu Bett ging. Die Chemie stimmte einfach zwischen uns.

04. Juni 2014 – von Villach (Österreich) nach Klipphausen (Deutschland), 759 km
Heute nun sollte der letzte Tag meiner Reise sein. Nach dem gemeinsamen Frühstück mit Manfred, der mir noch eine schön zu fahrende Route über Spittal, Bischofshofen, Saalfelden am Steinernen Meer, Traunstein und Mühldorf am Inn abgesteckt hatte, machte ich mich gegen 9 Uhr auf den Heimweg. Ich genoß die letzten kurvenreichen Streckenabschnitte der Tour. Bei Ergolding in Deutschland ging ich auf die gut ausgebaute B15N bis Regensburg und ab da fuhr über die A93, A72 und die A4 ausschließlich auf der Autobahn nach Hause. Gegen 21.45 Uhr hatte ich es geschafft und kam ziemlich erschöpft, aber überglücklich zu Hause an. Ich hatte nun 10.687 gefahrene Kilometer in 23 Tagen auf meiner Triumph abgerissen und viele Eindrücke und Erinnerungen im Gepäck.

Fazit
Viele Kilometer auf dem Motorrad zu fahren ist für manch Einen Stress, für mich jedoch die pure Entspannung. Ich habe in diesen Tagen viele wunderbare Eindrücke von Menschen verschiedener Kulturen sammeln und dabei unbeschreiblich schönen Landschaften sehen können. Landschaftlich am schönsten waren sicherlich die Berge des Kaukasus. Ich habe mich bei den Menschen in der östlichen Türkei am wohlsten gefühlt, da deren Gastfreundschaft überwältigend ist. Angst um meine Sicherheit und Gesundheit hatte ich nur bei der Durchfahrt durch das Chaos von Tiblissi in Georgien. Ich habe viele Freunde hinzu gewinnen können, ob Antonios, Christos und Kiriakos in Griechenland oder Manfred und Martin auf der Rückfahrt von Griechenland mit der Fähre nach Venedig.
Ich bin dankbar für all diese Erlebnisse und werde diese nie vergessen.

Nichts ist so wichtig im Leben wie "seine Träume zu leben"

 
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