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7.500 km mit dem Motorrad über Schweden
und Finnland nach Norwegen ans Nordkap
und über die Westküste Norwegens zurück.
Mein ausführliches Reisetagebuch mit sämtlichen Informationen zu den
Reisevorbereitungen und der Nordkap-
lassen sich hier oder über die separate Downloadseite (unten links) downloaden.
15. Juni 2012 -
Nachdem alles auf das Motorrad gepackt war und mich 3 meiner Freunde verabschiedet hatten, bin ich gegen 11.00 Uhr in Ullendorf an unserer Garage gestartet. Ich fuhr bis oberhalb von Berlin ausschließlich Landstraße, ging dann aber wegen des Feierabendverkehrs zum Freitag nachmittag auf die Autobahn bis nach Rostock. Kurz nach 18 Uhr kam ich dann am Fährhafen an. 21 Uhr war ich dann samt Bike auf der "Tom Sawyer" der Fährlinie "TT-
16. Juni 2012 – von Trelleborg nach Gusselby, 638 km
Gut ausgeruht war ich kurz nach 06.00 Uhr morgens von der Fähre runter und alsbald aus dem tristen Trelleborg raus. Bis auf die letzten 20 km war es eine unerfreuliche Regenfahrt durch das mir bereits bekannte Flachland Südschwedens. So konnte ich hier schon meinen Regenanzug aktivieren. Ich übernachtete in Gusselby auf einem schönen Campingplatz. Um 21.00 Uhr lag ich bereits nachtfertig im Zelt und schloss die Augen.
17. Juni 2012 -
Da der Regen nachts gegen 03.00 Uhr wieder eingesetzt hatte, packte ich morgens dann im Regen mein Zelt und die restlichen Sachen zusammen. Auch die Thermofutter meiner Motorradkombi mussten nach kurzer Strecke eingeknöpft werden. Nach 150 km kam dann endlich die Sonne zum Vorschein und das solte auf den nächsten 300 km so bleiben. Da nun auch die hügeligen und bergigen Wälder begannen, war das sanfte Dahincruisen ein Genuss. Kurz hinter Östersund entschied ich mich für eine bezahlbare kleine Hütte, Schuld daran waren die teilweise noch nassen Klamotten von der letzten Nacht, welche ich trocknen wollte. Nach der obligatorischen dicken Nudelsuppe und der warmen Dusche lag ich kurz vor Mitternacht im Bett.
18. Juni 2012 – von Lit nach Gällivare, 689 km
Bei Sonnenschein ging es heute weiter auf der E45 Richtung Norden. Hier traf ich nach ca. 100 km Ioan (John) aus Rumänien, der auf seiner Transalp ebenfalls zum Nordkap unterwegs war. Wir beschlossen nach einem ausgedehnten Kennenlernplausch gemeinsam weiter zu fahren. Unterwegs trafen wir dann noch auf Dariuscz aus Polen, der uns entgegen kam. Er berichtete von miesem Wetter weiter oben. Kurz vor Gällivare wurden wir dann von besagten Starkregen heimgesucht, sodass Ioan und ich uns für ein gemeinsames Zimmer in einem Hotel entschieden. Es waren unter 10°C an diesem Abdend. Mit selbstgebrannte Balinka aus Rumänien ließen wir den Abend um 01.00 Uhr nachts ausklingen. Wir verstanden uns gut und wollten gemeinsam weiter bis ans Nordkap.
19. Juni 2012 – von Gällivare nach Skaidi , 588 km
Nachdem dem Frühstück brachen wir gemeinsam Richtung schwedisch/finnische Grenze bei Kaaresuvanto auf. Leichter Nieselregen begleitete uns. Während einer kleinen Erholungspause nach Schotterpisten stieß Bernd aus Göttingen mit seiner 1200er Bandit zu uns. Er fragte, ob er weiter gen Norden mit uns mitfahren können. Wir stimmten dem zu und nun waren wir bereits drei "Alleinreisende". So fuhren wir weiter durch Finnland und schließlich Norwegen bis kutz hinter Alta. Nun waren wir dem Kap bereits sehr nahe gekommen, was an den Temperaturen kurz über dem Gefrierpunkt zu spüren war. Dass wir zu dritt waren, machte die Entscheidung bei einem Preis von 47 € pro Person für ein gemeinsames Zimmer wesentlich leichter. So konnten wir Sachen trocknen, anständig kochen und richtig heiß duschen. Gegen 01.00 Uhr nachts war es dann Zeit zum Schlafen.
20. Juni 2012 – von Skaidi zum Nordkap und wieder zurück nach Alta, 396 km
09.00 Uhr starteten wir bei kaltem und windigem Wetter zum Nordkap. Zum Glück hatte es aufgehört zu regnen. Es ging kurvenreich an der Küste entlang, bis schließlich der Nordkap-
21. Juni 2012 – von Alta nach Balangen, 586 km
Auf meiner Weiterfahrt Richtung Süden lernte ich heute Werner kennen, stolze 75 Jahre alt, der mit seinem Skoda hier oben allein war. Er war gestern am 20. Juni 2012 wie bereits 50 Jahre zuvor am gleichen Tag am Nordkapp, was er mit Fotos und dem obligatorischen Stempel belegen konnte. Bei einer Temperatur von 4°C nahm ich seinen Kaffee gern an. Auf dem Weg nach Narvik ging es teilweise durch die verschneiten Berge, wobei die Sichtweite teilweise unter 50 Meter war. Ca. 40 km hinter Narvik fand ich dann wieder eine kleine Hütte auf einem Campingplatz. Hier traf ich am Abend auch Werner wieder, der sich ebenfalls mit seinem Dachzelt-
22. Juni 2012 – von Balangen nach Akskardet, 437 km
"Dafür war ich hier" war das Resümee am Ende dieses Tages. Bei schönstem Wetter und Temperaturen um 20°C jagte eine Kurve die andere. Ich war scheinbar allein auf den Straßen hier oben. Ich fuhr kurz nach Bodø hinunter bis zum Hafen, wo seit langem wieder einmal viele Menschen an einem Platz waren. Da es mich aber auf die Straße zog, dauerte der Aufenthalt 20 Minuten. Weiter vorbei am größten Gezeitenstrom, dem Saltstraumen über die E6 und die Küstenstraße 17 genoss ich jeden Meter dieses Tages. Zum Schluss fand ich dann noch einen genialen Platz zum Überrnachten an einem wünderschönen See. Endlich konnte ich das Zelt wieder benutzen, es war ausreichend warm und vor allem trocken.
23. Juni 2012 – von Akskardet nach Mosjøen, 188 km
Und wieder war der Himmel blau. Bei einem ausgedehnten Frühstück mit Blick auf den See erstarrte ich förmlich vor Ehrfurcht bei diesem Anblick. Ich fuhr gegen 09.00 Uhr los und blieb auf der alten Küstenstraße 17. Es mag sein, dass ich mich wiederhole, jedoch das Kurvenfahren war der absolute Wahnsinn. Dazu die irre Landschaft bei diesem genialen Wetter. Traumhaft. Ich überquerte in 40 Minuten mit der Fähre von Jetvika nach Kilboghamn den Polarkreis in südlicher Richtung. Aufgrund weiterer Fähren und unzähliger Stops wegen Fotos machen verlor ich viel Zeit. So entschloss ich mich in Mosjøen auf die Europastraße E6 zu wechseln. Kurz hinter Mosjøen las ich ein Schild des "Mosjøen MC-
24. Juni 2012 – von Mosjoen nach Vinje, 556 km
Mit schwerem Kopf vom Vorabend und ein um 08.00 Uhr von der Sonnen bereits so stark aufgeheiztem Zelt stand ich alsbald auf. Noch einmal Duschen und wie besprochen das Clubhaus verriegeln. Von den Jungs war keiner mehr da. Da ich heute Einiges anZeit gutzumachen hatte entschied ich, auf der E6 zu bleiben. Völlig emotionslos überquerte ich auf der schnurgeraden Europastraße die Grenze zwischen Nord-
25. Juni 2012 – von Vinje nach Loen, 470 km
Motorradfahren in seiner Vollendung, so würde ich den heutigen Tag beschreiben. Heute fuhr ich die legendären "Atlantic Routes" auf der Insel Averoja. Auf dem weiteren Weg erklomm ich die Trollstiegen, danach fuhr ich durch schneebedeckte Hochebenen um anschließend allmählich ins immer grüner werdenede Valldal hinab zu fahren. Entlang reißender Flüsse und herabstürzender Wasserfälle verschlang ich jede Kurve mit Genuss. Von Stranda aus nahm ich die Fähre über den Geirangerfjord, um schließlich über Styrn bis kurz vor Utvik zu fahren. Es hatte heute wieder einige Tropfen Regen gegeben. Somit nahm ich mir wieder einmal eine Hütte. Diese befand sich direkt am Ufer des Nordfjords. Diese bot mit Küche, Dusche, Fernseher und Terasse reichlich Luxus für umgerechnet 25 €. Nach Essen und Duschen saß ich ewige Zeit auf der Terasse und wünschte mir meine Frau und Kinder herbei. Erst weit nach Mitternacht bin ich dann in mein Bett gekrochen.
26. Juni 2012 – von Loen nach Viksøyri, 356 km
04.00 Uhr nachts wurde ich durch leutes Trommeln auf dem Dach meiner Hütte geweckt. Es hatte wieder angefangen zur regnen. Meine Routen brachte mich im Verlauf des heutigen Tages am Djalsnibba (1495 M.ü.NN) vorbei weiter Richtung Jostedalsbreen, dem Naturpark Norwegens mit dem größten Festlandgletscher. Auf dieser Route umging ich auch die Richtung Süden zunehmende Dichte an langsam fahrenden PKW-
27. Juni 2012 – von Viksøyri nach Svinesund (Schweden), 687 km
Ein gutes Frühstück bei strahlendem Sonnenschein, das war ganz nach meinem Geschmack. Vornweg: Der heutige Tage hatte gefühlte 1 Millionen Kurven: Geil. Nach anfänglichem Aufstieg auf über 1000 Meter Höhe kam einige Kilometer später die spektakuläre Serpentinenabfahrt ins grüne Vossedalen vorbei am Wasserfall Voss Richtung Hardangerfjorden.Nördlich entlang der Steilküste des Fjords fuhr ich kleine kurvige Straßen zuerst auf der Straße 7 und später 49. Schließlich bin ich mit der Fähre nach Jondal übergesetzt, um von da aus über Utne nach Odda zu fahren. Da ich noch nicht genug hatte, entschied ich heute einfach weiter zu fahren. Und so kam es, dass ich durchs Oddadalen bis Røldal und weiter die Straße 134 bis Oslo fuhr. Diese 250 km auf der 134 waren der krönende Abschluss, ein Genuss für jeden Motorradfahrer. Hindurch durch die Ausläufer des Hardangervidda und die westliche Telemark entschied ich, dass hier Schluss sein sollte. Gegen 21.00 Uhr setzte ich mit der Fähre über den Oslofjorden nach Moss über und fuhr noch bis fast Mitternacht kurz hinter die schwedische Grenze. Auf einem Rastplatz an der Autobahn rollte ich nur noch den Schalfsack aus und schlief ein.
28. Juni 2012 – von Svinesund (Schweden) nach Hause, 960 km
Da im Freien ohne Zelt kein fester Schlaf möglich war, bin ich bereits gegen 06.40 Uhr auf der Autobahn unterwegs gewesen. Es waren trostlose 478 km bis Trelleborg. Um 14.00 Uhr dort angekommen, konnte ich meine Nachtfähre problemlos gegen die nächste umbuchen. Diese legte 15.45 Uhr ab und sollte bereits 21.00 Uhr in Rostock ankommen. Ich war wieder allein in der Kabine und konnte so Duschen und eine wenig Schlafen. In Rostock angekommen entschied ich, erst einmal weiter Richtung Heimat zu fahren. Da sich nichts richtig zum Campen anbot, fuhr ich und fuhr und fuhr und bin schließlich nachts um 03.00 Uhr völlig erschöpft aber überglücklich zu Hause angekommen.
Fazit
Ja, ich bin allein gefahren.
Nein, ich habe es nicht bereut.
Ja, es waren lange Tagesetappen dabei.
Nein, ich habe mir keine Städte angesehen.
Ja, mir gefiel Norwegen besser als Schweden und Finnland.
Nein, ich habe die Lofoten nicht gesehen.
...
Warum ich die Dinge so angegangen bin, brauche ich mir selbst nicht erklären. Ich würde es wieder so machen. Jeder Tag war ein Erlebnis und ein kleines Abenteuer für sich. Eindrücke von Landschaften, die mich nachts teilweise nicht einschlafen liesen. Ich bin trotz der körperlichen Belastung innerlich soweit runtergefahren wie ich es an einem Strandurlaub in der Adria nicht hätte geschafft.
Nichts ist so wichtig im Leben wie "seine Träume zu leben"